Bad Wünnberg (oder: Die Toskana ist überall)
Wer entscheidet eigentlich darüber, wo wir jetzt und hier gerade mal die Toskana fühlen? Bedarf es dazu eigentlich immer der Toskana? Es ist Winter, Februar 2025, um genau zu sein, und als sich an diesem Abend der Vorhang öffnet, befinden wir uns zumindest gefühlt schon mal im Urlaub. Genauer gesagt in der Toskana. Zumindest stellt man sich so ein Haus in der Toskana vor. Ich zumindest, sonst hätte ich das Stück „Toskana Barbara“ und die Handlung in diesem Idyll ja nicht geschrieben. Gut, ich selbst war noch nie in der Toskana, aber wen interessiert`s? Und schon sind wir beim Thema der Vorstellung, oder besser gesagt, beim Thema „Vorstellung“, wie es laut dieses Abends des 7. Februar wohl in der Toskana aussehen könnte. Natürlich kennt man die Bilder, die Filme, vielleicht die Reiseberichte im Fernsehen, in denen uns die Toskana schon mal schmackhaft gemacht wird, aber interessant wäre mal zu wissen, wer aus dem Publikum denn eigentlich der Toskana schon mal einen Besuch abgestattet hat. Sicher die Wenigsten, da möcht ich wetten. Ich als Autor dieser Komödie jedenfalls nicht, aber was soll`s? Karl May war schließlich auch nie in Amerika. Und deshalb ist jetzt mal Bad Wünnenberg unsere Toskana. Warum? Weil sie`s können, die Wünnenberger. Und dass es den Akteuren gelingt, dem Publikum diesen Spirit einzuhauchen wird schon in den ersten Sekunden deutlich: Der Vorhang öffnet sich nur ein Stück breit und es erscheint eine kleine weiße Leinwand mit einem Schattenspiel zweier Liebender, und obwohl – oder gerade weil – ich das nie in das Textbuch geschrieben habe, merke ich auf. Was aber noch wichtiger ist: Das Publikum auch! Es macht einfach Spaß, denn schon in den ersten Sekunden merke ich: Das wird hier kein Dienst nach Vorschrift, kein Stück mit Textbuch als Dogma, das wird eine Interpretation, das wird eine eigene Ideen-Handschrift, mit der die Theatergruppe des TUS Bad Wünnenberg das Stück zu ihrem Stück macht. Die Betonung des Worte Barbara, der Lokoalkolorit und die Anspielung auf eventuell anwesende Fürstenberger, die Momente, in denen selbst die Schauspieler auch mal lachen müssen (und dürfen) sind solche, die mir zeigen, warum ich in das Theater gehe. Mir geht das Herz auf. Wir kennen uns schon seit kurz nach der Jahrtausendwende, haben uns dann über zwanzig Jahre lang aus den Augen verloren, wiedergefunden und haben irgendwie das Gefühl, wir haben uns nicht entfernt. Der Abend wird ein Riesenspaß, es wird gelacht, es fällt mal kurz das Licht aus, aber hey, das hab ich nur am Rande registriert. Ich wollte mich damit gar nicht beschäftigen, denn auf keinen Fall wollte ich hier irgendwas verpassen. Es gibt hier zwei Pausen, und auch da wird klar, die Menschen hier identifizieren sich mit dem Ort, mit der Region, sie kennen, lieben und feiern die Theatergruppe, bei der die Karten in einer Kürze der Zeit „weg“ sind, die an Robbie Williams-Konzerte erinnert. Man trinkt, lacht, und ich fühl mich wie zu Hause. Ich genieße diese Herzlichkeit, den Humor auch in den Pausen, und dass ich irgendwie das Gefühl habe, hier würde ich auch bleiben, wenn ich hier aufgewachsen wäre. Vermutlich. Ich weiß es natürlich nicht, und will mich nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen aber fest steht: Ich kann jede und jeden verstehen, die oder der hier nicht weg möchte. Ein gutes Gefühl, das Mut macht. Gerade in diesen Zeiten. Es gibt den Zusammenhalt, dieses Gefühl, …“wir stellen was auf die Beine. – Für Euch. Wir wissen noch nicht, ob wir hier im nächsten Jahr noch spielen dürfen, aber wir haben am 12. und 13. Juli schon den Kartenverkauf für die Aufführung im Park gestartet… .“ Man kommt zusammen. Natürlich wird danach gefeiert. Die Vorstellung, den Erfolg, aber auch das Leben! Und Bad Wünneberg lebt! Die Toskana ist überall wo wir es uns wünschen! Danke dass wir Teil davon sein durften! Euer Bernd Spehling